Haarausfall

Zusammenfassung:

Haarausfall betrifft vor allem Männer und ist in den meisten Fällen hormonell bedingt und genetisch vererbt. Mit einer entsprechenden Früherkennung kann man ganz gut abschätzen, wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, eine Glatze zu bekommen. Mittlerweile gibt es bereits zwei Medikamente, mit denen Haarausfall wirksam behandelt werden kann. Wenn die Haare aber schon verloren sind, kann immer noch eine chirurgische Maßnahme helfen, den Kojak-Look zu vermeiden. Nach der Operation sind die Heilungschancen sehr gut. Zusätzlich zu den medizinischen Methoden, die Haare zu erhalten, gibt es ergänzende Maßnahmen, die das Haar schonen und vor Schäden schützen können.

Haare gelten schon seit Jahrtausenden als Symbol für Vitalität und Lebenskraft. Auch die Frisurenmode ist oft ein Zeichen der Gesellschaftszugehörigkeit. Haarausfall hingegen kann mit Recht als Massenleiden bezeichnet werden. Fast jeder Mensch leidet irgendwann einmal unter Haarausfall. Bevorzugte Zeit dafür ist der Herbst. Während die Haare im Sommer am stärksten wachsen, fallen sie im Herbst am meisten aus. Das ist aber noch kein Grund zur Sorge, denn die weitaus häufigste Ursache für Haarausfall ist Vererbung. In Österreich leiden etwa zwei Millionen Menschen an erblich bedingtem, hormonellen Haarausfall. Drei Viertel davon sind Männer. Der erblich bedingte Haarausfall bei Männern beginnt meist im Alter von 20 bis 25 Jahren an den Schläfen und schreitet bis zum 30. Lebensjahr schnell fort. Auch bei einer ausgebildeten Glatze bleibt allerdings immer ein Haarkranz über, weil an diesen Stellen die Haarwurzeln unempfindlich für das männliche Geschlechtshormon Testosteron sind. Haarausfall bei Frauen hingegen ist in den meisten Fällen zeitlich begrenzt.

URSACHEN
Beim Haarwachstum wechseln einander drei Zyklen ab:

* Die Wachstumsphase: Sie dauert etwa drei bis sechs Jahre. In dieser Zeit wächst das Haar monatlich zirka 12 bis 25 Millimeter. Normalerweise befinden sich fast 85 Prozent aller Haare in der Wachstumsphase.
* Die Übergangsphase: Das Wachstum wird gestoppt, die Haarwurzel löst sich von ihrem Boden und wandert langsam nach oben. Diese Phase dauert zirka drei Wochen. Ein Prozent aller Haare befindet sich stets in dieser Übergangsphase.
* Die Ruhe- oder Ausfallsphase: Das Haar bleibt noch zirka zwei bis drei Monate erhalten bevor es ausfällt oder von einem neu nachwachsenden Haar verdrängt wird. Im Schnitt befinden sich etwa 14 Prozent aller Haare in dieser Ruhephase.
Jede einzelne Haarwurzel macht in ihrem Leben ungefähr 25 dieser Zyklen durch. Danach stirbt die Wurzel ab, und kein weiteres Haar wächst mehr nach. Wenn sich also die Wachstumsphase stark verkürzt, werden die einzelnen Zyklen kürzer, und das Haarkapital erschöpft sich früher. Ein zu hoher Spiegel an männlichem Sexualhormon Testosteron bewirkt eine Verkürzung der Wachstumsphase und ist daher entscheidend für die Haarpracht am Kopf. 70 Prozent aller Betroffenen leiden unter diesem hormonell bedingten Haarausfall, der meistens bereits weitervererbt wurde. 

Doch Haarausfall kann auch nur vorübergehend auftreten, und dann wieder von selbst verschwinden. Als Gründe dafür zählen vor allem:

* die Einnahme von bestimmten Medikamenten:
o Schilddrüsenhormone
o Aknemittel, die Vitamin A enthalten
o Cholesterinspiegelsenker
o Mittel zur Blutverdünnung (Heparin)
o die Pille
o Krebsmittel 
* Infektionskrankheiten wie Lungenentzündung
* Blutvergiftungen
* Geschlechtskrankheiten
* Schilddrüsenerkrankungen
* Störungen des Hormonhaushaltes
* Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen
* seelische Belastungen und Stress
* Schwangerschaft und Stillperiode (bis etwa acht Monate nach der Geburt)
* Eintritt in die Wechseljahre bei der Frau 

Früherkennung
Darüber, ob ein echter oder nur ein vorübergehender, dem normalen Ausmaß entsprechender Haarausfall vorliegt, und über mögliche Maßnahmen kann die Checkliste: Was tun bei Haarausfall? Auskunft geben.
Beschwerden
Ein Verlust von 60 bis 100 Haaren pro Tag ist völlig normal. Den Haarverlust bemerkt man in der Regel durch verstärktes Ausgehen der Haare beim Kämmen oder Waschen. Haarausfall beginnt bei Männern meist an den Schläfen. Als nächstes lichtet sich der Hinterkopf.
Das größte Problem am Haarverlust ist aber in vielen Fällen ein psychisches. Haarverlust oder schütteres Haar werden oft als Einbuße der eigenen Kraft, Jugend und Schönheit angesehen

DIAGNOSE
Mit Hilfe der Haaranalyse (=Trichogramm) kann der Hautarzt den Haarwurzelstatus bestimmen. Dadurch kann festgestellt werden, in welchem der drei Zyklen sich das Haar gerade befindet.
Für die Haaranalyse sind mindestens 50 Haare von verschiedenen Stellen des Kopfes notwendig. Unter dem Mikroskop werden diese Haare untersucht. Haare, die sich in der Wachstumsphase befinden, haben eine deutlich sichtbare Haarscheide. Weil Haare auch Mineralstoffe speichern können, kann man durch die Bestimmung der verschiedenen Mineralstoffe im Haar feststellen, ob das Haar noch versorgt wird, oder sich schon in der Übergangs- oder Ruhephase befindet. Ein erhöhter Anteil von Haaren in der Ruhephase weist auf einen hormonell bedingten Haarausfall hin.
Zusätzlich wird der Arzt auch Blut für labormedizinische Untersuchungen abnehmen, um Entzündungsparameter, die Menge an vorhandenen Spurenelementen und den Hormonstatus zu bestimmen. Diese Untersuchungen sind allerdings meist eher frustrierend und kostenaufwändig denn hilfreich: Die Ergebnisse sind sehr oft unauffällig, die Konsequenzen nicht zielführend.

BEHANDLUNG
Die Behandlung von genetisch bedingtem Haarausfall ist nur mit zwei von unzähligen am Markt befindlichen Präparaten Erfolg versprechend. Minoxidil und Finasterid. Minoxidil wurde ursprünglich als Medikament gegen Bluthochdruck entwickelt. Dabei wurde festgestellt, dass es zu verstärktem Haarwuchs vor allem an den Beinen und Armen führt. In weiteren klinischen Entwicklungen hat man die Substanz dann in Form von Lösungen, Sprays und Gelen direkt lokal auf der Kopfhaut angewendet. Durch die lokale Anwendung gibt es keine Nebenwirkungen auf den Blutdruck mehr. Mit dem Auftragen dieser Substanz lässt sich der Haarausfall nachweisbar stoppen. Auch ein Nachwuchs der Haare kann angeregt werden. Allerdings dauert es in der Regel bis zu sechs Monate, bis eine Wirkung des Medikamentes sichtbar wird. Außerdem muss das Medikament für den Rest des Lebens aufgetragen werden, da sonst nach dem Absetzen der Haarverlust wieder beginnt. Damit der Patient auch mit dem Ergebnis, dem Aufwand und den doch recht hohen Kosten zufrieden ist, empfiehlt es sich, die Behandlung zuerst für ein Jahr auszuprobieren. Bei einem Teil der Patienten ist das Ergebnis so positiv, dass sich die Kosten in jedem Fall auszahlen. Allerdings gibt es auch einen Teil von Patienten, bei denen kein befriedigendes Ergebnis eintritt.
Finasterid ist eine Substanz, die in den Abbau von Testosteron eingreift. Es hemmt das Enzym (5-aplha-Reduktase), das Testosteron zu Dihydrotestosteron umwandelt. Nur in dieser aktiven Form schädigt das Hormon die Haarwurzeln. Ursprünglich wurde dieses Medikament ausschließlich zur Behandlung einer Prostatavergrößerung eingesetzt. In einer viel niedrigeren Konzentration angewendet, bringt es aber gute Erfolge beim Stoppen des Haarausfalles. Zusätzlich wird auch das Nachwachsen der Haare angeregt. Weil das Medikament aber in den Hormonhaushalt eingreift, ist es weder für Frauen noch für Männer, die sich noch Kinder wünschen, geeignet.
Außer diesen zwei Arzneimitteln sind noch eine Menge anderer Substanzen, in vielen Fällen Naturstoffe, am Markt, deren Wirkung allerdings umstritten und auch nicht nachweisbar ist. Dazu zählen verschiedene Aminosäuren wie Cystein, Vitamine wie Biotin, Nachtkerzenöl, Goldhirseextrakt, Kieselerde und Brennesselextrakt. 
Chirurgische Maßnahmen
Sind die Haarwurzeln bereits komplett zerstört, können sie nicht mehr reaktiviert werden. In vielen Fällen bleibt aber ein oft noch sehr dichter Haarkranz bestehen. Durch eine Haartransplantation von Eigenhaar kann die drohende Glatze vermieden werden. Wichtig dabei ist, dass nur Haarwurzeln von Stellen, die gegen Testosteron unempfindlich sind, verpflanzt werden können. Aus diesem Haarkranz wird ein schmaler Streifen Haut mit den Haarwurzeln entnommen. Der Chirurg näht die Stellen, an denen die Hautstreifen entnommen wurden kosmetisch zu, so dass keine Narben sichtbar bleiben. Die einzelnen Haarwurzeln werden unter dem Mikroskop herauspräpariert, in einem sterilen Medium am Leben gehalten und schließlich einzeln mit einer Pinzette eingesetzt. Vorher müssen feine Hautschnitte in dem Gebiet, wo die Haare eingepflanzt werden sollen, gemacht werden. Danach werden die Haare in einem Abstand von 2 bis 4 Millimetern eingepflanzt. Der endgültige Abstand zwischen den eingepflanzten Haaren soll möglichst gering sein, damit das Ergebnis natürlich wirkt.
Vor der Operation ist es ratsam, zumindest Fotos von bereits operierten Patienten genau anzuschauen. Nicht immer sind die Ergebnisse dieses Eingriffes nämlich zufriedenstellend. Da die Kosten dieser Operation recht hoch sind, sollte man sich vorher genau erkundigen, was mit der Transplantation wirklich möglich ist, und welche Nebenwirkungen dabei entstehen können.
Noch in klinischen Studien ist die Behandlung mittels Laserstrahlen. Dabei werden statt mit einem Miniskalpell die Schnitte mit Hilfe eines gebündelten Laserstrahls gesetzt. Der Vorteil dieser Methode liegt in einem völlig unblutigen Arbeiten. Entzündungen können noch seltener auftreten, die Anwuchsrate ist allerdings geringer.
Bis die Haare nach der Operation sichtbar werden, dauert es durchschnittlich drei Monate. Der Eingriff wird also von der Umwelt gar nicht bemerkt, weil er ohne große Wunden, nur mit Minischnitten erfolgt, und die Haare nicht von heute auf morgen nachwachsen.
In jedem Fall abzuraten ist von der Einpflanzung von Kunsthaar. Das synthetische Material kann vom Körper leicht abgestoßen werden. Hässliche Ergebnisse und starke Entzündungen sind die Folge davon.
Die Wahl der Betäubung
Die Behandlung wird in lokaler Betäubung durchgeführt. Eine gut durchgeführte Schmerzbehandlung während und nach der Operation verringert die Beschwerden beträchtlich.
Risiken und Komplikationen
Die Behandlung ist an sich harmlos, es bestehen kaum Risiken. Vorübergehend kann es zu einer leichten Entzündung im Gebiet der Haarverpflanzung kommen, die aber normalerweise nach wenigen Tagen von selbst zurückgeht. Bei Patienten mit extrem fetter Kopfhaut kommt es häufig zur Bildung von kleinen Pusteln. Diese werden vom Arzt mit einer Nadel geöffnet, damit keine tieferen Entzündungen entstehen können.
Nach der Operation
Es ist nicht empfehlenswert, nach der Operation Salben auf der Kopfhaut aufzutragen, weil dadurch die feinen Haarwurzeln beschädigt werden können. Statt dessen werden in Kochsalzlösung getränkte Mulltupfer auf die Transplantation gelegt und für 48 Stunden mit einem Verband fixiert. Dieser Verband bewirkt, dass die frisch verpflanzten Haarwurzeln mit leichtem Druck in die Haut gepresst werden. Nach Abnahme des Verbandes kann der Patient bereits mit einem milden antiseptischen Shampoo den Kopf waschen.
Ungefähr einen Monat nach der Operation ist es empfehlenswert, die Kopfhaut mit einer Minoxidillösung zu behandeln, damit das neue Haarwachstum zusätzlich gefördert wird. Diese Behandlung soll über einen Zeitraum von etwa drei Monaten fortgesetzt werden.
Es ist ratsam, auf starke sportliche Aktivitäten und andere körperliche Anstrengungen während der ersten zwei Wochen nach der Operation zu verzichten, damit die eingepflanzten Haarwurzeln Zeit haben, sich in Ruhe zu festigen.
Damit das Einwachsen der Haare und die Wundheilung nicht gestört werden, ist es sinnvoll, mindestens drei Wochen nach der Operation Sonnenbestrahlung zu vermeiden. 
Heilungschancen
Die Erfolgsraten sind sehr hoch. Die eingepflanzten Haare bleiben dann für den Rest des Lebens erhalten. Wie dicht die Haarpracht wird, ist in der Regel eine Frage der Zeit, des Geldes, und der noch vorhandenen Haare. Die Intervalle, in denen die Haarverpflanzungen durchgeführt werden, betragen mindestens sechs Monate. 
Ergänzende Maßnahmen
Wenn auch ein genetisch bedingter Haarausfall mit normalen Hausmitteln nicht aufgehalten werden kann, gibt es doch ein paar Tipps, mit denen man zumindest das verbleibende Haar schöner erhalten kann:

* ein mildes Haarshampoo schont die Kopfhaut. Manchmal kann die Kopfhaut durch ein Shampoo so stark gereizt werden, dass Haare ausfallen. Dieser Haarverlust ist allerdings vorübergehend und muss nicht behandelt werden.
* Um Haarbruch oder glanzloses Haar zu vermeiden, ist es empfehlenswert, das Haar nicht zu heiss zu waschen oder zu fönen, nicht stark zu rubbeln und auch keine Bürsten oder Kämme mit scharfen Kanten zu verwenden.
* Durchblutungsfördernde Haarwässer und Kopfhautmassagen fördern die Versorgung der Haare in ihrer Wachstumsphase. Gegen Haarausfall wirken sie jedoch nicht. 





Quelle: „surfmed”.